![]() |
|||||||
Zoll/Grenzwache
Recht hoch im Norden an der Oberelbe in der Landesgruppe Niedersachsen liegt in landschaftlich reizvoller Lage die Stadt Bleckede. Hier ist die Heimat der auch international sehr anerkannten Zollhundeschule. Im Jahre 1958 nahm die Zollhundeschule ihren Lehrbetrieb auf dem heute ca. 200 ha großen Ausbildungsgelände auf. Für die Stadt bildet die Zollhundeschule einen wichtigen Wirtschaftsfaktor, arbeiten doch insgesamt 33 Bedienstete in dem lnternatsbetrieb. Besucher aus vielen europäischen und außereuropäischen Ländern haben hier die Gelegenheit gefunden, sich praxisnah über die Ausbildungsmethoden zu informieren. Selbstverständlich für die Zollhundeschule in Bleckede ist auch die jahrzehntelange sehr gute Zusammenarbeit mit den SV-Ortsgruppen der Region. Die Landesgruppe Niedersachsen ist ebenfalls seit vielen Jahren Gast und führte Seminare und zuletzt Übungsleiterschulungen im Rahmen von Wochenendseminaren durch. Es existiert hier also eine funktionierende Kooperation des SV mit der Diensthundhaltenden Behörde. Der Deutsche Schäferhund genießt in Bleckede einen sehr guten Ruf und stellt auch zahlenmäßig das größte Kontingent an Diensthunden. Weitere vierbeinige Kollegen der Zollbeamten sind unter anderem holländische und belgische Schäferhunde, Riesenschnauzer, Rottweiler, aber auch Labradore oder Border Terrier. Die Erweiterung der Europäischen Union mit der Mitgliedschaft von osteuropäischer Staaten stellte den Zoll vor neue Herausforderungen. Viele Grenzzollstellen wurden geschlossen, neue Aufgabenfelder machten eine Umstrukturierung in den Ausbildungsmethoden der Zollhundeschule notwendig. Auch der zunehmenden Gefährdung der Beamten durch eine erhöhte Gewaltbereitschaft musste Rechnung getragen werden. Eine «duale» Ausbildung zwischen zöllnerischer Schutzhundausbildung (Eigensicherung) und Spürhundausbildung wird angestrebt. Je nach Einsatzort und Aufgabengebiet werden an die Hunde unterschiedliche Leistungsprofile gestellt. Der Ausbildung von Spezialhunden, wie Rauschgift- und Tabakspürhunden wird eine hohe Priorität zukommen. Mit seiner Nase als Leitsinn und den ca. 220 Millionen Riechzellen (Mensch etwa 5 Mill. Riechzellen) hat der Deutsche Schäferhund ein immenses Leistungspotential, das die «Staatsdiener auf vier Pfoten» in den Alltag einbringen. Die Wesensstärke und sein Multitalent sprechen dabei häufig für den Deutschen Schäferhund als Diensthund, seine Größe und Kraft haben zudem bei Einsätzen auf potenzielle Täter einen präventiven Charakter. «Osteuropäische und asiatische Behören setzen überwiegend auf diese Rasse» berichtete der Leiter der Zollhundeschule, Hans-Dieter Beckmann. Aber auch andere Rassen haben ihre Vorzüge, wie etwa der triebstarke Border Terrier «Milo» auf Grund seiner Größe bei der Kontrolle von Schliessfächern. Verschiedene Aufgabenbereiche des Zolls erfordern unterschiedliche Qualitäten der Hunde, wesentlich sind aber grundsätzlich ein ausgeprägter Beute- und Spieltrieb, Triebbeständigkeit sowie die Harmonie zwischen Hundeführer und Hund. Von der Aussage, der Deutsche Schäferhunde bringe nicht mehr genügend Gebrauchsqualitäten mit, hält man in Bleckede wenig. «Unterschiedliche Hunderassen haben unterschiedliche Vorzüge, es kommt auf die spezielle Aufgabenstellung und die Einsatzorte an», so Hans-Dieter Beckmann. Bisher habe man beim Ankauf von Deutschen Schäferhunden noch keine Probleme gehabt (6 Wochen Probezeit). Es gilt, durch zielgerichtete Zuchtselektion den Gebrauchshund- und Triebqualitäten, der Wesensstärke und dem Sozialverhalten Rechnung zu tragen. Nicht unerwähnt sollte der Preiskorridor für den Ankauf der Hunde sein, der sich zwischen ca. 1200 - 1400 Euro befindet. Ist auch diese Tatsache bei der Anzahl Deutscher Schäferhunde als Diensthund zu berücksichtigen? Lassen Sie uns aber auf die Ausbildung und Arbeit der Zollhunde zurückkommen.
Die Bekämpfung des Rauschgift- und Zigarettenschmuggels wurde seit dem Jahre 2001 durch die Ausbildung von Spezialhunden intensiviert. Die angewandten Ausbildungsmethoden haben sich bewährt. Die Hunde müssen genotypisch über einen sehr ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb verfügen, sie werden zunächst spielerisch durch Gewöhnung mit Tabakduftstoffen auf ihren Spielgegenstand konditioniert. Wichtig ist dabei immer wieder die positive Verstärkung nach erfolgreicher Arbeit mit dem Triebziel (Spielzeug). Der ausgebildete Tabakspürhund orientiert sich also bei seiner Sucharbeit an dem gelernten, präparierten Geruch seines Lieblingsspielzeuges. Viel Ausdauer, Fleiss und positive Verstärkung ist notwendig, um die Lernschritte folgerichtig aufzubauen und später zu einem perfekten Anzeigeverhalten des Hundes zu kommen. Das Such- und Anzeigeverhalten der Hunde ist phänomenal und entdeckt auch raffinierte Verstecke. Der Erfolg gibt den Ausbildern recht: Die Spezialhunde fanden alleine im Jahre 2003 genau 19.916.386 nicht versteuerte Zigaretten. Übrigens ... die Schachtel Zigaretten in der Jacke des Hundeführers oder einer anderen Person zeigt der ausgebildete Hund nicht an. Die bestimmte Menge macht es. «Im kriminellen Milieu gibt es immer wieder Versuche, den Geruch von Tabak oder Drogen durch Fremddufte zu überlagern», so Hans-Dieter Beckmann im Gespräch und er führt fort «das müssen die Hunde erkennen». Durch eine intensive Aus- und Fortbildung werden die Teams auf solche schwierigen Momente in der Praxis vorbereitet. Trainiert wird mit Spielröhrchen, die mit Tabak oder mit Rauschmittel im geschützten Innenbereich des Röhrchens behandelt werden. Hunde werden dabei natürlich nicht süchtig gemacht, ein drogenabhängiger Hund wäre körperlich und mental überhaupt nicht in der Lage, die erforderlichen Suchleistungen zu erbringen. Eine andere Spezialausbildung ist die zum passiv anzeigenden Rauschgiftspürhund. Die Hunde werden in Flughäfen oder Bahnhöfen ausschließlich an der Leine geführt. Durch ihre Riechleistungen werden sie gezielt zum Aufspüren von Drogen am Körper oder im Handgepäck eingesetzt. Auch verschluckte Drogen etwa in Kondomen können so lokalisiert werden. Der Hund signalisiert einen Fund durch passives Hinsetzen. Hier unterscheidet er sich ganz wesentlich von den ausschließlich im Gepäck- und Frachtbereich eingesetzten aktiv anzeigenden Rauschgiftspürhunden. Die Ausbildung der passiven Spürhunde ist sehr langwierig und selbst unter den talentierten Hunden gibt es nur sehr wenige, die alle Qualitäten für diese «Super-Spezialaufgabe» mitbringen. Auffallend hoch sind die Erfolge von Rauschgiftspürhunden bei der Suche von synthetischen Drogen und Ecstasy-Tabletten. So fanden Diensthunde des Zolls in Fahrzeugen, Bahn und Schiffen kleine und ganz große Mengen verstecktes Haschisch oder Marihuana. Etwa 100 erfolgreiche Aufgriffe werden so pro Monat erzielt.
Nicht ohne Stolz berichtete uns dann der Leiter Hans-Dieter Beckmann von ganz besonderen Schnüffelspezialisten: Den Bargeldspürhunden.
Sie haben ganz richtig gelesen — Bargeldspürhunde. Das Zollverwaltungsgesetz sieht vor, dass die Ein- und Ausfuhr von Bargeld zollamtlich überwacht wird. Dabei ist Bargeld ab 15.000 Euro dem Zollbeamten anzuzeigen. Selbst für Kenner der Materie ist es erstaunlich, dass es den Hunden gelingt, genau diese Bargeldsumme anzuzeigen, egal ob druckfrisch oder bereits im Umlauf befindliche Scheine oder auch phantasievoll versteckt. Diese Hunde suchen nach ihrem, in diesem Fall nach Geld riechenden Spielzeug. Und analog den Tabakspürhunden werden nicht etwa geringe Beträge von einigen hundert Euro angezeigt, sondern exakt Bargeldnoten ab der Summe von 15.000 Euro. Mit diesem in Deutschland bis dato einmaligen Ausbildungsprogramm stürmte man in Bleckede die «Mediencharts». Vertreter von Zeitungen, Radio und Fernsehen berichteten von diesen spektakulären Ausbildungserfolgen. Auch der Bundesminister für Finanzen, Hans Eichel, ließ es sich im letzten Jahr nicht nehmen während einer Pressekonferenz einen in Bleckede ausgebildeten Bargeldspürhund in der Praxisarbeit zu beobachten. Neben der überdurchschnittlichen beutetrieblichen Veranlagung sind auch hier en sehr gutes Sozialverhalten, Unbefangenheit und Belastbarkeit in unterschiedlichen Umweltbedingungen im öffentlichen Verkehrsraum unverzichtbare Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen «Job» als Bargeldspürhund.
Die Zollhundeschule in Bleckede empfiehlt die Familienhaltung der Hunde, Hundeführer und Hund bilden ein festes Team, wobei die Hunde immer nur von einem Beamter geführt werden. Um die angestrebten Ausbildungserfolge erzielen zu können sind viel Zeit, Ausdauer, Fleiß, Vertrauen, Einfühlungsvermögen und kynologischer Sachverstand notwendig.
In der Bundesrepublik bestehen heute noch zwei große und leistungsfähige Zollhundeschulen im süddeutschen Neuendettelsau und in Bleckede. Durch die Technisierung des Zolldienstes sowie durch Personalverminderung ist der Bestand auf ca. 650 Zollhunde zurückgegangen. Dabei bleibt der Zollhund auch im technischer Zeitalter aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und der Spezialaufgaben unverzichtbar. Auch die moderne Technik hat keine Hilfsmittel entwickeln können, die den Geruch und das Gehör eines Gebrauchshundes ersetzen können.. Der Deutsche Schäferhund leistet dabei eine wesentliche Arbeit in den Diensthundhaltenden Behörden für das Allgemeinwohl.
Ein ganz besonderer Dank gilt der Zollhundeschule Bleckede und allen Mitarbeiten für die sehr freundliche und harmonische Atmosphäre und die interessanten Einblicke in die Ausbildungsarbeit mit den Diensthunden.
Heiko Christian Grube
Quelle: SV-Zeitung 5-2004 - Übernahme des Artikels mit Genehmigung des Autors