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Hütehunde

In erster Linie sind die Hütehunde für den Schutz der Herde verantwortlich. Sie haben einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb, vor allem in der Nacht. Die Hütehunde sind sehr selbständig und brauchen eine konsequente und sachkundige Erziehung. Zu der Arbeit gehört das Sortieren sowie Einpferchen der Schafherden. Leider sind in der heutigen Zeit nur noch wenige Hütehunde in ihrem «Beruf» tätig.

Eine der Aufgaben eines Hütehundes: Er hält die Schafe auch beim Ziehen zur Weide von den Flächen fern, die sie nicht betreten dürfen. (copyright Jürgen Rixen)

 

Manfred Heyne, 13-maliger Sieger des SV-Bundesleistungshüten

Manfred Heyne ist jetzt 74 Jahre alt. Die meiste Zeit seines Lebens hat der Schäfermeister mit Schafen und Deutschen Schäferhunden verbracht. Er ist der erfolgreichste Züchter und der erfolgreichste Ausbilder im Verein für Deutsche Schäferhunde.

 

 

Heyne schwärmt vom guten Schäferhund. «Der Hütehund, den Sie heute hier mehrere Stunden demonstriert bekommen, der keine Hilfen braucht, der bei der Arbeit lacht, der weiss, warum er bei der Arbeit ist.»
Es sind zwei Triebe, die ein Hütehund haben muss. Nicht nur, um im täglichen praktischen Schafehüten Erfolg zu haben, sondern auch um sich bei Herdengebrauchshund-Wettbewerben, die eine selbständige Leistung verlangen, auszuzeichnen. Das sind totale Hingezogenheit zum Schaf und «genetischer Gehorsam». Diese Triebe sind genetisch, können selektiv gezüchtet werden und sind Ausdruck des Beuteinstinkts. Je höher und ausgeglichener diese Triebe sind, desto höher ist das Niveau der Leistung, das ein erfahrener Schäfer ohne zwanghafte Ausbildung hervorbringen kann.
«Totale Hingezogenheit zum Schaf» ist ein spezifischer und konzentrierter Aspekt des Beuteinstinkts. Es ist eine intensive, beinahe zwanghafte Form des Beutetriebs, was sich in Verhaltensformen wie ein Schaf zu besitzen und zu kontrollieren ausdrückt, bis hin zum Ausschluss aller anderer Beuteobjekte. «Totale Hingezogenheit zum Schaf» ist der Treibstoff, der den Hund den ganzen Tag unermüdlich arbeiten lässt – je grösser der Trieb, desto höher die Oktanzahl.
«Genetischer Gehorsam» drückt sich aus in der Bereitwilligkeit, den Schäfer zufrieden zu stellen und den Schäfer als Führer zu akzeptieren. «Genetischer Gehorsam» ist der Brems- und Lenkmechanismus, den der erfahrene Schäfer benutzt, um die hohe Triebkraft und die natürlichen Verhaltensweisen, die einen Hund zum Hüten bringen, aus dem Beuteinstinkt herauszuleiten. Einem Hund mit «genetischem Gehorsam» braucht vom Schäfer nur gezeigt werden, welche Arbeit gemacht werden muss, und, wenn er es einmal verstanden hat, erledigt er die Aufgabe bereitwillig, zuverlässig und vor allem selbständig – das ist «Erziehung». Ein Hund mit diesem Trieb will nicht nur arbeiten, er will in Kooperation mit dem Schäfer arbeiten. Trainer mit einer Herr/Sklaven-Mentalität gegenüber dem Hund sind eine Beleidigung für die genetische Veranlagung eines solchen Hundes. Auf der anderen Seite muss ein Hund, dem «genetischer Gehorsam» fehlt, vom Schäfer befehligt und am Anfang oft gezwungen werden, dieselben Aufgaben gehorsam auszuführen, ob er will oder nicht – das ist «Training». Beide Hunde werden fähig sein, Schafe zu hüten, aber es wird ein grosser Unterschied zwischen den beiden sein, was die Ausübung betrifft. Zum Beispiel wird der Hund mit «genetischem Gehorsam» lernen, zuverlässig und selbständig in Kooperation mit dem Schäfer zu arbeiten, währen der Hund, dem «genetischer Gehorsam» fehlt, trainiert werden muss zu gehorchen und lernen wird, auf Befehl des Schäfers zuverlässig zu bleiben.
Heyne bringt es auf den Punkt: «Des Schäfers wichtigstes Handwerkszeug ist der Hund. Und es ist immer gut, wenn der Mitarbeiter Spass an der Arbeit hat!»
«Sie müssen den richtigen Hund in einem Wurf finden – aber es gibt viele Würfe, da ist nicht ein richtiger drin.» Ob ein Welpe nun der Richtige ist oder nicht, entscheidet Heyne bei einem Welpentest. Zuvor hat er den ganzen Wurf natürlich ständig beobachtet und Welpen, die sich bei lauten Geräuschen erschrecken, schon gedanklich aussortiert.

Beim eigentlichen Test sperrt er ein altersgerechtes Lamm und die Welpen in einen Pferch und beobachtet das Geschehen ganz genau. «Im ersten Moment, von einer Sekunde auf die andere, entscheidet sich schon sehr viel. Da haben sie Hundchen dabei, die klemmen den Schwanz ein und fiepen. Dann sieht man Welpen, die sind wie Lausejungs. Wenn die anderen frech und mutig sind, sind sie auch frech und mutig. Aber dann gibt es Welpen, da geht das Schwänzchen hoch, und die gehen hin zum Lämmchen, als wollten sie sagen: He, von dir habe ich die ganze Zeit geträumt. Diese Hundchen, die lachen und beissen wollen die stehen bei mir ganz vorne. Wenn ich das eine Woche lang gemacht habe, dann weiss ich schon, was ich da habe.»

Manfred Heyne war als Züchter überaus erfolgreich. Nicht nur, dass er alle Hunde, mit denen er das SV-Bundesleistungshüten gewonnen hat, selbst gezüchtet hat (bis auf den Ersten, den er geschenkt bekam). Er hat auch als Schafzüchter grosse Erfolge vorzuweisen.

Gekürzter Auszug aus einem Bericht von Jürgen Rixen und Ellen Nickelsberg in «Der Gebrauchshund» Ausgabe Nr. 1/2004 / Fotos Copyright Jürgen Rixen